Ich funktioniere noch, aber weiß nicht, wofür

von Katja Otto

Wenn Orientierung verloren geht

Nach einem Lebensumbruch ist vieles nicht mehr so, wie es war.
Es ist, als würden Sie laufen, ohne zu wissen, wohin der Weg führt. Doch wir brauchen etwas, worauf wir hinleben oder in das wir eingebunden sind. Ein Erlebnis oder eine Entscheidung hat das, was uns getragen hat, durcheinandergebracht. Gleichzeitig verlangt das Leben von uns weiterzumachen.

Funktionieren ohne inneren Bezug

Sie funktionieren. Sie stehen auf, erledigen Aufgaben und übernehmen Verantwortung.

Damit sich das gut anfühlt, braucht es Sinn. Ein Wozu. Es kann sich anfühlen, als wären Sie ein Zahnrad, das weiterläuft, ohne wirklich eingebunden zu sein. Auch dann, wenn Menschen da Sie sind. Sie führen Gespräche, haben Kontakte und Begegnungen und fühlen sich mit dem eigenen Erleben und den eigenen Gefühlen dennoch allein.
Früher ist durch das Zusammensein mit anderen Energie entstanden. Diese Energie fehlt nun.

Warum Funktionieren hilft

Dass wir in solchen Phasen funktionieren, schützt uns. Es bewahrt Struktur, während Orientierung fehlt. Problematisch wird es, wenn wir erwarten, dass innere Klarheit automatisch zurückkehrt, nur weil äußerlich alles weiterläuft.
Deshalb gibt es keinen Grund, sich zu verurteilen, wenn Sie Zeit brauchen, um mit der neuen Situation klarzukommen.

Wenn sich Trauer hinter Leere verbirgt

Es kann sein, dass sich vieles schwer oder fremd anfühlt.
Oft handelt es sich dabei um Trauer. Manchmal ist es der Verlust einer Rolle oder einer Vorstellung von Zukunft – nicht die Trauer um etwas Offensichtliches. Trauer braucht Raum. Sie lässt sich nicht beschleunigen und nicht durch Sinn ersetzen.
Sie ist eine normale und gesunde Reaktion auf einen Einschnitt, der das Leben nachhaltig verändert hat.

Warum Sinn nicht einfach zurückkehrt

Vielleicht wünschen Sie sich, dass das frühere Gefühl von Sinn oder Lebendigkeit einfach zurückkommt. Dass sich das Leben wieder so anfühlt wie vorher. Doch nach tiefen Einschnitten entsteht Sinn selten auf dieselbe Weise wie zuvor.
Wenn Gewohntes wegfällt, verschwindet auch der gewohnte Sinn. Neuer Sinn kommt oft zuerst als Richtung, in die wir gehen und erst später als Gefühl.

Raum für Einordnung

Es hilft oft, das eigene Erleben nicht erklären oder bewerten zu müssen, sondern es zunächst einordnen zu können.

Zu verstehen, dass das Gefühl der Sinnlosigkeit nicht bedeutet, dass das Leben sinnlos geworden ist.

Manche Menschen finden in dieser Phase Halt im Gespräch. Nicht, um Lösungen zu bekommen, sondern um Worte für das zu finden, was sich innerlich noch nicht sortiert hat. Um dem eigenen Erleben Raum zu geben, ohne es zu beschleunigen oder zu korrigieren.
Wenn Sie sich in diesen Zeilen wiederfinden, kann eine begleitende Unterstützung sinnvoll sein.

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