Möglicherweise haben Sie es auch schon gehört:
„Du musst nach vorne schauen.“ Oder einen anderen Rat, der in die Zukunft weist.
Die Person meint es gut, das spüren Sie. Und doch fühlt sich dieser Satz an wie ein Stoppschild, als müssten Sie etwas in sich bremsen, das Sie noch aussprechen möchten.
Vielleicht entsteht dabei das diffuse Gefühl, nicht richtig zu sein.
Dass andere besser zurechtkommen. Dass Sie es schneller schaffen wieder in eine Normalität zurückzufinden.
Was noch da ist, lässt sich nicht einfach wegschieben
Dabei ist das, was Sie beschäftigt, noch sehr präsent.
Es drängt sich immer wieder in Ihr Bewusstsein, unabhängig davon, wie lange das Ereignis zurückliegt.
Es ist noch da, ob Sie es wollen oder nicht.
Sie stecken mitten in Gefühlen, die sich nicht einfach ordnen oder wegschieben lassen.
Manches ist unklar und manches überwältigend. Der Wunsch, klarer zu sehen, ist da, doch innerlich bleibt es noch unruhig und unsicher.
Wenn Reden eigentlich helfen würde

In solchen Momenten entsteht oft der Wunsch, auszusprechen, wie es wirklich ist - unsortiert, ehrlich, ohne ein bestimmtes Ziel und vielleicht mit dem Wunsch, ein offenes Ohr zu finden.
Doch gut gemeinte Ratschläge verschieben das Gespräch, weg von Ihrem Erleben, hin zu einer Lösung, für die Sie innerlich noch keinen Boden haben.
Warum Rückzug manchmal die scheinbar einzige Möglichkeit ist
Die Folge kann sein, dass Sie sich zurückziehen.
Nicht, weil Sie nichts sagen wollen, sondern weil es sich anfühlt, als würden Sie die Menschen in Ihrem Umfeld belasten.
Denn solche Sätze tragen unausgesprochen etwas mit: die Erwartung an Sie, weiter zu sein und das Leben wieder im Griff zu haben.
Weil das Gefühl, bedürftig zu sein, beschämend sein kann, lässt es sich in den eigenen vier Wänden oft leichter aushalten.
Wenn auch das Gegenüber an Grenzen kommt
Vielleicht haben Sie auch erlebt, dass Ihr Gegenüber unsicher wird, wenn Sie sagen, dass Sie noch nicht so weit sind.
Dass das Gespräch stiller wird oder das Thema gewechselt wird.
Das liegt nicht an Ihnen.
Und oft auch nicht an mangelndem guten Willen auf der anderen Seite.
In solchen Momenten prallen zwei Bedürfnisse aufeinander, die beide verunsichern.
Sie brauchen Raum für das, was noch ungeordnet ist.
Ihr Gegenüber möchte helfen und weiß vielleicht nicht, wie.
Wenn Einsamkeit entsteht, obwohl Menschen da sind
Manchmal verstärkt das die Einsamkeit.
Sie treffen Menschen, und doch bleibt das Gefühl, mit dem eigenen Erleben allein zu sein.
Was von außen oft nicht gesehen wird
Hinzu kommt etwas, das selten gesehen wird: dass Sie innerlich längst viel durchdacht haben, Möglichkeiten abgewogen, Entscheidungen bewegt, Zweifel ausgehalten und trotzdem noch zu keinem Ergebnis gekommen sind. Die Situation bleibt belastend. Wenn dann von außen schnelle Antworten kommen, fühlt sich das an, als würde all das übergangen.
Es darf Zeit brauchen
Das Beschriebene ist eine verständliche Reaktion in einer neuen und belastenden Situation, die Zeit braucht.
Vielleicht fühlen Sie sich durch diesen Text in dem, was Sie gerade bewegt, verstanden.
Das wäre mein Wunsch.
Wenn Sie mit mir Ihre Situation anschauen möchten, schreiben Sie mir.